Und du bist raus – Wie Finanzinvestoren die Traditionsfirma Grohe auspressen
Sie heißen “Blackstone” oder “Texas Pacific Group” und haben Milliarden in den Kassen. Ihr Geschäft: Sie kaufen und verkaufen Firmen wie Obsthändler Äpfel und Birnen. Ihre offizielle Strategie: Firmen fit für den Weltmarkt zu machen. Das wirkliche Ziel: in kurzer Zeit soviel Profit wie möglich herauszupressen. Jetzt kaufen sich internationale Investoren auch in Deutschland in großem Stil ein. Wie sich diese Übernahmen auswirken, zeigt Hubert Seipel am Beispiel des Traditionsunternehmens Grohe.
Hierzulande arbeiten bereits über 600.000 Menschen für die “Heuschrecken”, wie Franz Müntefering sie titulierte. Diese Zahl wird sich in den nächsten Jahren verdoppeln, glauben Experten.
Sendetermin
Do, 05.04.07, 19.15 Uhr
Bis vor Kurzem war die Welt des Badezimmerarmaturen-Herstellers Grohe aus dem sauerländischen Städtchen Hemer noch völlig in Ordnung. Dann wurde das deutsche Familienunternehmen zweimal innerhalb von fünf Jahren an Investoren verkauft. Jetzt hat Grohe über eine Milliarde Schulden und streicht über 1000 Arbeitsplätze in Deutschland. Die Investoren haben die Übernahme der Firma durch Bankkredite finanziert. Und die Kreditzinsen muss die gekaufte Firma aufbringen. Grohe steht unter doppeltem Druck: Das Unternehmen muss neben den Zinsen noch den Profit für die amerikanischen Investoren erhöhen. Diesen ist 20 Prozent Rendite nicht genug. Sie wollen 28 Prozent und haben daher beschlossen, Arbeitsplätze aus Deutschland ins Ausland zu verlegen. Die Investoren wollen Teile der exklusiven Marke zunehmend durch Massenware “made in Asien” ersetzen. Von der einstigen Traditionsfirma Grohe, so befürchten allerdings Insider, bleibt dann nur noch die Firmenhülle in Deutschland – bis zum nächsten Verkauf.
Hubert Seipel beleuchtet den Zusammenprall zweier Welten: der globalen Welt der internationalen Finanzstrategen der Texas Pacific Group und der eines einstigen Familienbetriebes und seiner Mitarbeiter.
Der Film zeigt die neuen Arbeitsplätze in Thailand ebenso wie das ungewisse Schicksal der entlassenen Arbeiter in Deutschland. Und Grohe ist nur der Anfang. In den nächsten Jahren wollen Privat-Equity-Firmen über 200 Milliarden Euro für deutsche Unternehmen ausgeben.
Quelle/Gesamter Text: www.phoenix.de
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