Früher sterben mit Hartz IV: Gesunde Ernährung unmöglich
Von Ralf Hagelstein*
Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hatte zu Anfang des Jahres eine abenteuerliche Rechnung vorgelegt, mit der suggeriert werden sollte, dass der im Hartz IV-Regelsatz vorgesehene Betrag für Nahrungsmittel in “Höhe” von 29 Euro pro Woche eine ausgewogene Ernährung gewährleisten könne. Jede/r Hartz IV-Geschädigte weiß aus eigener Erfahrung, dass Sarrazins Speiseplan unseriös ist. Inzwischen ist der SPD-Politiker jedoch auch wissenschaftlich widerlegt: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat in einer aktuellen Studie** nachgewiesen, dass für eine vollwertige Ernährung durchschnittlich 87 Euro pro Person und Woche aufgebracht werden müssen.
Die signifikant verfrühte Mortalität (das deutlich höhere Risiko, früher zu sterben d. Red.) von Langzeitarbeitslosen hängt neben zahlreichen anderen gesundheitlichen und lebensweltlichen Faktoren stark von der Ernährungssituation ab. Obgleich die Wohlfahrtsverbände und Erwerbsloseninitiativen seit 2004 auf die drastische Unterversorgung aufmerksam machen, weigert sich die Bundesregierung beharrlich, durch eine Erhöhung des Hartz IV-Regelsatzes eine vollwertige Ernährung sicher zu stellen.
Das Menschenrecht auf Nahrung*** ist ein für jeden Menschen verbrieftes Recht auf angemessene Ernährung und ausdrücklich nicht nur eine “Minimalversorgung an Kalorien, Proteinen und bestimmten anderen Nährstoffen”****. Auch der deutsche Gesetzgeber ist aufgefordert, dieser Kernverpflichtung unverzüglich Folge zu leisten
*Ralf Hagelstein ist Sprecher der AG Arbeit und Armut des LINKE-Landesverbandes Hamburg
**Wissenschaftliche Ausarbeitung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. zum Thema Lebensmittelkosten im Rahmen einer vollwertigen Ernährung, April 2008
***Art. 11 Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte vom 19.Dezember 1966
****The right to adequate food (Art.11): 12/05/99. E/C.12/1999/5. (General Comments)
Quelle/Gesamter Text: linkszeitung.de
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Am 3. September 2008 um 13:23 Uhr
Was die ganze Situation verkompliziert ist natürlich auch, dass gesundes Essen meistens teurer als ungesundes ist. Ein Ansatz wäre z.B. EU-Förderungen für gesunde Produkte von Lebensmittelherstellern bereitzustellen, damit eben diese Produkte im Supermarkt billiger angeboten werden können. Dann müsste auch der Hartz IV-Regelsatz für Nahrungsmittel nicht so drastisch erhöht werden